Damit Sie Ihr wichtigstes Projekt nicht vor die Wand fahren

Mindfulness, Achtsamkeit, Herbert Schreib, Führungskräfte
Alte Lösung für neue Probleme – Mindfulness
20. September 2019
Herbert Schreib, Unternehmenskultur, Change, Digitalisierung
Nein – kein Untergang. JA – eine große Herausforderung
18. Oktober 2019
Projekt, Herbert Schreib, Entspannung, Achtsamkeit

Die Almhütte in den Salzburger Bergen ist mehr als 400 Jahre alt, unsere Gastgeber, die Wirtsleute Maria und Hans, sind gemeinsam an die 180 Jahre alt. Urig ist ein Adjektiv, das nur entfernt den herrlichen Charakter dieser Etappe unserer Wanderung wiedergibt. Einer Etappe, die für so manchen unserer Gruppe ein augenöffnender Anfang auf seinem weiteren Arbeitsweg war. Ich möchte Ihnen von diesem Moment erzählen, Denn was die Gruppe während des Frühstücks in der Hütte von Maria und Hans erfuhr, hilft Ihnen dabei, Ihre nächsten Projekte zu erfolgreichen Abschlüssen zu führen.

Mit 180 km/h in die Leitplanke

Bei dem Workshop, der uns auf die Hütte führte, ging es um die Strategie eines Geschäftsbereichs. Um das Team aufzurütteln und um etwas Abstand zum Tagesgeschehen zu bekommen, führte ich in aller Früh eine leichte Wanderung auf eine kleine Anhöhe durch. Im Zuge des Abstiegs hielten wir bei erwähnter Almhütte und ließen uns von den Wirtsleuten ein schmackhaftes Almfrühstück servieren. Während des Frühstücks begannen die Teilnehmer auf einmal von ganz persönlichen Themen zu erzählen – und Ihnen werden diese Themen vielleicht bekannt vorkommen. 

Der eine schilderte den Fall eines Kollegen, der mit noch nicht einmal 50 Jahren einen Schlaganfall erlitt und lernen musste, mit einer leichten halbseitigen Lähmung umzugehen. Ein zweiter brachte eine Geschichte von einem Kollegen ein, dessen Frau sich ganz überraschend scheiden ließ, da er anscheinend mehr mit dem Unternehmen als mit ihr verheiratet war. Wieder ein anderer berichtete von einem guten Freund, der nach einer abendlichen Kundenveranstaltung auf dem Heimweg übermüdet im Auto bei 180 km/h auf der Autobahn einschlief …

Es schien so, als ob das Klima der gemütlichen Almhütte und die beiden zufriedenen alten Bauersleute ein Ventil für persönliche Sorgen und Themen öffnete. Ein Ventil, das dann nach dem Frühstück von den Teilnehmern schnell zugedreht wurde. Mit dem letzten Schluck Kaffee waren diese Momente der persönlichen Ehrlichkeit vorbei. 

Das Projekt sind Sie

Aber gleichwohl hatten die Teilnehmer einen Blick auf etwas erhascht, was für ihren Erfolg ungemein wichtig ist. Sie waren für Momente zur Ruhe gekommen und hatten über wesentliche Dinge nachgedacht und sich damit gestärkt. Ein wichtiger Punkt, an den ich im Zuge des Workshops anknüpfte, damit es ihnen nicht so ergeht, wie den Menschen in ihren Schilderungen und sie ihre Projekte an die Wand fahren.

Der Punkt ist: Versäumen Sie die Gelegenheiten nicht, sich regelmäßig zu stärken. Überspringen Sie die Gelegenheiten, dann rächt sich das mit Krankheit, Stress in den Beziehungen, gefährlichen, ja manchmal bis hin zu tödlichen Unachtsamkeiten. 

Das gilt für Ihr wichtigstes Projekt, das Sie selbst sind. Das gilt natürlich auch für die Projekte, die sie bearbeiten: Ich habe es leider schon vielfach erlebt, dass anfänglich euphorisch und begeistert wirkende Menschen mit der Zeit von der vielen Arbeit, den fordernden Aufgaben, den aufwendigen bürokratischen Abläufen, den Machtspielen und den unzähligen Veränderungsprozessen richtiggehend wie von einer riesigen Welle überrollt wurden. Sie funktionieren meist immer noch irgendwie, aber leider weit weg von wirklicher Spannkraft und von tänzerischer Eleganz.

Was Sie also konkret tun können …

Schwungrad statt Hamsterrad 

Schaffen Sie sich Phasen und Momente, in denen Sie sich entspannen, auftanken und ausrichten können. Alleine, aber auch gemeinsam mit Kollegen und mit Ihrem Team. Schieben Sie diese wichtige Komponente nicht auf die lange Bank. 

Sobald nämlich Müdigkeit eintritt, passiert es sehr rasch, dass Sie auch die Kraft verlieren, sich ab und zu aus dem Hamsterrad des ständigen Agierens herauszunehmen und sich hin und wieder etwas Gutes zu tun.

Ein schönes Tool ist hier das Schwungrad für Ihre kontinuierliche Selbsterneuerung: das POWER WHEEL. Im Gegensatz zum viel zitierten Hamsterrad ist es ein aufbauendes und stärkendes Rad. In meinem Buch beschreibe ich dies eingehender, aber auch in meinen Workshops (und nicht nur auf der Hütte in den Bergen) zeige ich Übungen, wie Sie Schwung für Ihre Projekte bekommen.

Das POWER WHEEL besteht aus vier Feldern: KÖRPER, GEIST, EMO- TIONEN und BEZIEHUNGEN. Es handelt sich dabei um grundlegende Ressourcen, aus denen Sie Kraft und Stabilität schöpfen können. Vernachlässigen Sie eine dieser Ressourcen über eine längere Zeit, so verkümmert sie, und Sie werden es zu spüren bekommen. 

Anfänglich mitunter nicht offensichtlich und nicht wirklich greifbar. Aber früher oder später ganz klar. Vielleicht indem Sie müde, ausgelaugt und gereizt werden. Vielleicht indem Ihre Konzentration nachlässt, Sie wichtige Themen vergessen oder Chancen übersehen – und Sie im Extremfall bei 180 km/h an die Wand fahren.

Denken Sie daran, das Projekt sind Sie. Achten Sie also auf sich. Damit nicht einmal ein Kollege von Ihnen eine so erschütternde Geschichte erzählt, wie ich Sie auf der Almhütte hören musste.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.